Posted by: tnowotny | December 29, 2013

THE EUROPEAN ENERGY POLICY IS A MASSIVE AND DANGEROUS FAILURE

The following text will appear as an article in “die Zukunft” in January of 2014

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Europäische Energiepolitik

Zu einem dem Buch “Powerlines – Energiepolitische Entwicklungslinien Europas” Hg:  Martin Graf, Patrick Horvath, Wolfgang Ruttenstorfer, 2013, new academic press , Wien

Wie konnte es geschehen, dass sich die auf die gesamte Erde verteilte und genetisch ziemlich homogene Spezies des Homo Sapiens  so unterschiedlich entwickelt hat; mit einigen Gruppen, die auch heute noch  in existenzbedrohender Armut leben; und andere hingegen in gesichertem Wohlstand?

Darüber gibt es viele Mutmaßungen.  Eine nicht unwahrscheinliche kommt vom amerikanischen Autor Jaret Diamond, der in seinem Buch „Guns, Germs and Steel“ diese Unterschiede daraus erklärt, dass einige dieser Gruppen sich zusätzliche Energie ( zunächst in Form von Zug- und Tragtieren und als Quelle von proteinreicher Nahrung ) nutzbar machen konnten. Das hat technischen Fortschritt ermöglicht; und dieser wiederum die Erschließung neuer Energiequellen.

Hat diese Betrachtung der Vergangenheit auch heute noch Bedeutung? Ja und nein! Betrachtet man die Menscheit insgesamt, dann bleibt ihr Wohlergehen eng mit der Verfügbarkeit von Energie verknüpft. Einige der bisher noch armen Länder wie etwa China und Indien werden durch ein besonders rasches Wirtschaftswachstum emporgehoben. Das wäre nicht möglich, würde nicht auch ihr Energiekonsum rasch wachsen. Die jetzige weltweite Steigerung des Energieverbrauchs ist fast ausschließlich durch dieses Wachstum der „Schwellenländer“ verursacht. Für die vielen  in „Schwellenländern“ lebenden Menschen ist der Zusammenhang zwischen steigendem Energieverbrauch  und steigendem Wohlbefinden also zwingend. In diesen Schwellenländern lebt nun fast die Hälfte der Menschheit und daher überträgt sich das auch auf das gesamte globale System. Betrachtet man das also vom Standpunkt eines „Weltdurchschnitts“ aus, so ist dieser Zusammenhang zwischen steigendem Energieverbrauch und steigendem Wohlstand weiterhin gegeben; selbst dann wenn man den Wohlstand nicht an einer niedrigeren odereiner  höheren Kaufkraft  bemisst; sondern an Indikatoren wie die überdurchschnittliche Lebenserwartung oder die überdurchschnittliche Schulbildung.

Wir könnten den Rahmen aber auch weiter spannen und untersuchen, wie eine stark ausgeweitete, kostengünstige und umweltverträgliche Energieerzeugung uns gestatten würde, Grenzen zu überwinden an denen sich die Menscheit zur Zeit noch stößt. Man könnte  aus Meerwasser Süßwasser destillieren und so  Wüsten fruchtbar machen; man könnte  Metalle aus sehr armen Erzen gewinnen; man könnte  Glashäuser am Polarkreis errichten  um dort Gemüse und Blumen zu züchten und man könnte  den Menschen dort mit künstlichen Licht die Polarnacht erträglich machen; und man könnte mit reichlich vorhandener und  billiger Elektrizität Gas für Raumheizung und Treibstoff für den Verkehr  produzieren.

Das freilich sind Spekulationen über eine ferne Zukunft. Im Augenblick ist Energie eben nicht so wohlfeil zu haben. Auch nicht in den schon reichen Staaten, die sich im übrigen voneinander in ihrem pro Kopf – Energieverbrauch unterscheiden. Das zeigt, dass sich  in den schon reichen Staaten weiteres Wirtschaftswachstum sowohl mit einem höheren wie auch einem geringeren Energieaufwand erkaufen lässt. Aber auch im besten Fall kann man zur Zeit diesen Zusammenhang zwischen wachsender Wirtschaft und wachsendem Energieaufwand noch nicht  völlig lösen[1]. Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem stellt ab auf eine stets wachsende Wirtschaft und damit auch auf einen wenn auch schwächer so doch auch zunehmenden Verbrauch von Energie.

Die Europäische Politik hat sich nun das Ziel gesetzt, auch diesen jetzt noch  verbleibenden Zusammenhang zwischen Wohlstand und Energieverbrauch völlig aufzulösen; den Energieverbrauch nicht zu steigern sondern zurückzufahren.   Energiesparen wurde zum gesellschaftlich/ politischen Leitbild. Das Ziel prägt die  Energiepolitik der Europäischen Union und wurde auch von Österreich übernommen..

Wie der Präsident des österreichischen Gewerkschaftsbundes  Erich Foglar in seinem Beitrag feststellt, hat es also in Sachen Energiepolitik gerade in der öffentlichen Meinung Österreichs eine echte Schubumkehr gegeben. Stolz  über steigende Energieproduktion und steigenden Energiekonsum hat dem  Streben nach möglichst geringem Energieverbrauch Platz gemacht. In der Nachkriegszeit hat sich die österreichische Identität am Bild vom aufwachsenden Kraftwerk  Kaprun festgemacht – am Ausblick auf steigende Energieproduktion und steigenden Energiekonsum. Das heutige österreichische Selbstverständnis und Selbstbewusstsein ist gefärbt vom Stolz auf  Kraftwerke, die – so wie das Atomkraftwerk Zwentendorf oder das Donaukraftwerk Hainburg – nicht gebaut wurden.

Diese Schubumkehr erklärt sich zum Teil aus einem sinkenden Grenznutzen einer weiteren Mehrung von materiellem Wohlstand. Ist man ohnehin schon reichlich mit materiellen Gütern versorgt, dann  wird eben anderes als materieller Besitz wichtiger. Man sehnt sich nach Rückkehr in eine idealisierte,   noch intakte Natur. Man ängstigt sich ob der von der Technik ausgehenden Gefahren  – etwa ob jener, welche durch den Betrieb von Atommeilern entstehen. All das beschäftigt den schon wohlversorgten Teil der Menschheit  oft stärker,  als die Sorge um ein noch größeres Angebot an Dienstleistungen, Waren und Energie.

Soviel also zum breiteren Rahmen, in den sich die zahlreichen und sehr unterschiedlichen Beiträgen zu dem Sammelband “Powerlines“ einfügen. Vorwegs machen  die Herausgeber klar, dass sich aus diesen vielen unterschiedlichen Beiträgen kein geschlossenes Bild ergibt. Da argumentieren  Silvia Angelo und Dorothea Herzele ( Arbeiterkammer Wien ) gegen  Steuern auf dem Ausstoß von Kohledioxyd, ( dem Hauptverursacher des Klima – Wandels ). Franz Nauschnigg ( OeNB ) hingegen,  widmet seinen  Beitrag ausschließlich der Befürwortung eben dieser Steuern. Alexander Egit (Geschäftsführer der österreichischen Greenpeace)   hält den Ausbau von leistungsstarken  Hochspannungsnetzen für überflüssig, ebenso wie eine stärkere Nutzung von Erdgas.  Ex – ÖMV Vorstand  Wolfgang Ruttenstorfer und Gerhard Roiss (jetziger Generaldirektor der ÖMV ) sehen hingegen in Erdgas die strategische, unverzichtbare  „Übergangstechnologie“ zu einem späteren,  „post – fossilen“ Zeitalter, in welchem man dann endgültig auf alle  Kohlendioxyd  emittierenden Energiequellen verzichten könnte. Anders als im Beitrag von Egit wird in den Beiträgen, welche von den Betreibern der E – Netze geschrieben wurden, ein beschleunigter (und überaus kostspieliger ) Ausbau der Fern – Übertragungsnetze als unabwendbar bezeichnet. Unterschiedlich bewertet wird auch die Möglichkeit zur dezentralen Erzeugung,  Steuerung und Speicherung von Energie. Viele Beiträge befassen sich mit dem Ausblick und den Folgen von „smart metering“, der   unmittelbar  bevorstehenden[2] Einführung von Stromzählern,  welche  den jeweiligen Verbrauch  jede Viertelstunde an die Stromanbieter rückmelden. Einige erblicken darin eine Revolution mit stark positiven Auswirkungen auf das gesamte Energiesystem.  Andere dämpfen solchen Optimismus und meinen, dass die praktischen Folgen vorerst  relativ beschränkt bleiben.

Dass es solche Widersprüche zwischen den einzelnen  Beiträgen gibt, sollte nicht stören. Dass sie offensichtlich werden ist vielmehr sinnvoll.  Die österreichische und die europäische Energiepolitik  sind nämlich tatsächlich von unterschiedlichen Interessen, Sichtweisen  und, wenn man das  so nennen will,  von unterschiedlichen Weltanschauungen  bestimmt. Wir befinden uns da noch auf einer Baustelle, auf der diese Unterschiedlichkeit nicht überwunden wurden und  wo es noch kein in sich geschlossenes, logisches Ganzes gibt. Die Baupläne dafür  werden ständig neu gezeichnet. Das ist schon deshalb notwendig, weil sich nicht nur unsere Zielvorstellungen laufend ändern; sondern auch viele der Annahmen, von denen diese Zielvorstellungen ausgehen.

Was waren nun diese Annahmen, welche die europäische Energiepolitik bestimmten?

1)    Erdgas und Erdöl werden weltweit knapp und damit um vieles teurer.  Sie müssen daher durch neue, nicht fossile Energieträger ersetzt werden. Diese beiden Energiequellen werden bald erschöpft sein.

 

2)    Eine Politik zur Minderung des Ausstoßes an „Treibhausgasen“ – vor allem an Kohlendioxyd  – lässt sich weltweit durchsetzen. Dadurch wird es möglich, die durch die Emission solcher Treibhausgase verursachte Erwärmung der Erd – Oberflächentemperatur in erträglichen Grenzen zu halten.

 

3)    Falls sich die obige Vermutung nicht bewahrheiten sollte, und für den Fall, dass es dann eben kein formelles, weltweit wirksames „Klimaabkommen“ geben sollte, würde auch die bloße Vorbildwirkung  eines „Klima – freundlichen“ Europas und vor allem die durch das europäische Beispiel erwiesene größere Wirtschaftlichkeit alternativer Energien, die übrige Welt dazu veranlassen, diesem europäischen Vorbild nachzueifern. Auch der Rest der Menschheit  würde dann den Energieverbrauch einschränken und  den Ausstoß an Treibhausgasen verringern.

 

4)    Die aus Nutzung von Sonnenenergie durch Foto – Voltaik  und die durch die Nutzung von Wind – Energie gewonnene Elektrizität  wird schon in kurzer Zeit voll mit der aus fossilen Brennstoffen gewonnenen  Elektrizität preislich konkurrieren können; und das selbst dann,  wenn man dabei alle Umstellungs- und Folgekosten in Rechnung stellt. Die jetzt noch aufwendige staatliche Förderung von Solar- und Windenergie wird daher bald überflüssig.

 

5)    Durch Energiesparen, durch die Steigerung der Energieeffizienz, und durch den großflächigen Einsatz von Alternativenergien  wird es möglich, die Anhängigkeit Europas von Energieimporten  zu verringern. Am Ende würde Europa „energieautark“ und wäre so überhaupt von allen Energieimporten unabhängig.

 

Die  tatsächliche Entwicklung hat all diese Annahmen teilweise oder gänzlich widerlegt.

Zu 1)  Erdöl und Erdgas wird knapp und damit wesentlich teurer:

Im Vergleich zu Erdgas  ist der weltweite Vorrat an Erdöl knapper bemessen. Man hat angenommen, dass die noch verbleibenden Vorräte recht gering  sind; und hat prophezeit, dass sie sehr bald aufgebraucht sein werden. Aber die Lage ist nicht ganz so dramatisch. Selbst wenn man die weitere Steigerung der Nachfrage durch die „Schwellenländer“ berücksichtigt, würden die Vorräte an Erdöl noch für 50 Jahre reichen. Diese etwas optimistische Prognose  berücksichtigt die „nicht konventionelle“ Gewinnung von Erdöl aus Öl – Sand und Öl- Schiefer; die Anwendung neuer Bohrtechniken; sowie  die   Steigerung der Förderung  durch  Erschließung von bisher unzugänglichen Feldern etwa unter dem tieferen Meeresboden oder in der Arktis.  Gleichzeitig hat sich der Verbrauchszuwachs etwas gedämpft, so etwa  durch, die Absenkung des durchschnittlichen Treibstoffverbrauchs von Kraftfahrzeugen.

Weitaus reichlicher als die Vorräte an Erdöl sind die Vorräte  an Erdgas. Man geht davon aus, dass ( auch durch die Anwendung von  „fracking“[3] ) genügend Erdgas bereit stehen wird, um in den nächsten 250 Jahren den weltweiten Bedarf zu decken. Der Einsatz von „fracking“ erzeugte in den USA ein Überangebot an Erdgas. Die Preise sind daher dort auf die Hälfte jener Preise gesunken, die in Europa für Erdgas verrechnet werden.

Das hat weitreichende Folgen.  In den USA selbst ersetzt nun bei der Befeuerung von Elektrizitätswerken das Erdgas die Kohle. Letztere war  lange Zeit billiger,  ist es aber im Vergleich zu Erdgas nicht länger. Wird in der Erzeugung von Elektrizität Kohle durch Erdgas ersetzt, so verringert sich der klimaschädigende  Kohledioxyd  – Ausstoß eines Kraftwerkes um mindestens   die Hälfte. Dementsprechend sind die gesamten US Emissionen  von Kohlendioxyd um 11 %  zurück gegangen.  Die in den USA für die Elektrizitätserzeugung nicht länger nicht benötigte  Kohle wird nun auch nach Europa  exportiert, wo sie – etwa in Deutschland – mit der Folge eines erhöhten Ausstoß von Kohledioxyd – zum Betrieb von Elektrizitätskraftwerken eingesetzt wird ( darauf werden wir später noch zurückkommen ).

Das billige Erdgas drückt in den gesamten USA die Energiepreise und das schafft den USA darüber hinaus auch einen industriepolitischen, standortpolitischen Vorteil;  zumindest solange die US Erdgaslager nicht erschöpft sind; und das kann, wie erwähnt, doch ein- oder zweihundert Jahre  dauern.

Zu 2) Der Europäischen Energiepolitik liegt die Annahme zu Grunde, dass  sich die von Europa proponierte  Politik zur Minderung des Ausstoßes an „Treibhausgasen“ weltweit durchsetzen lässt:

Das ist nicht der Fall.  Zwar mag das schon reiche USA, und anderseits das aufstrebende China trachten,  die Emission von Treibhausgasen mit verschiedenen Maßnahmen einzudämmen. Es ist aber Europa nicht gelungen, diesen beiden und allen anderen  Staaten die Einhaltung  von „Klimazielen“ völkerrechtlich verbindlich zu machen.  Europa wollte das erreichen. Es blieb aber mit diesem Anliegen  bei der  2009 Kopenhagen Klimakonferenz  isoliert. Das Minimalergebnis dieser Konferenz wurde zwischen den USA und China ausgehandelt. Europa hatte daran keinen Anteil[4].

In den Jahren seither ist man nicht weiter vorangekommen. Die im  Kyoto Klimaabkommen vorgesehenen verbindlichen Obergrenzen für  die Emission von Treibhausgasen  wurden nur von Europa und sonst noch von einigen wenigen anderen Staaten akzeptiert. Sie gelten vor allem nicht  für die „Schwellenländer“  deren Emissionen besonders rasch ansteigen. Das Kyoto Abkommen wird 2015 auslaufen[5]. Ein Nachfolge – Abkommen – sollte es überhaupt eines geben – könnte bestenfalls im Jahre 2020 in Kraft treten.

Inzwischen bleibt in Europa – und zumindest in Österreich – der Glaube daran unerschüttert , dass man durch tugendhaftes Festhalten an den „Klimazielen“ den weltweiten Temperaturanstieg bremsen könnte. Das ist blanke Illusion.

 

Anteile an der weltweiten Treibhausgas- Emission

China—————–29%

USA——————-16%

EU Europa———–11%

Den Schwellenländern  wie China und Indien wird – wie erwähnt – durch das noch geltende Kyoto – Abkommen  die Emission von Treibhausgasen mengenmäßig nicht beschränkt[6].  Aber gerade diese Länder  haben in der Zeit zwischen 1990 und 2010 diese Emissionen stark erhöht, während Europa sie – zumindest anfangs – verringern konnte. Es ist nicht zu erwarten, ja es ist auszuschließen, dass sich der Trend umkehrt, und dass auch die Emissionen der Schwellenländer sinken.

 

Veränderungen in der Treibhausgas – Emission 1990 – 2010

EU Europa————    -15,5

      China —————- +280

Indien ————— +198

 

Laut Björn Lomborg kosten die Klimaschutzmaßnahmen EU – Europa jährlich ca 190 Mrd Euro. Diese Anstrengungen würden erwirken, dass sich im Jahre 2100 die Erdwärmung  um 37 Stunden verzögert, dass man also die selbe höhere Temperatur dann eben 37 Stunden später erreicht. Inzwischen hat man auch schon das Ziel verfehlt, den Kohlendioxydanteil in der Atmosphäre auf weniger als 400 Teile pro Millionen Teile  zu beschränken. Wäre dieses Ziel erreicht, so würde die Oberflächentemperatur der Erde um nicht mehr als  2 Grad Celsius ansteigen. Die 400 – Teil -Grenze wurde 2013 überschritten.

Die Aussichtlosigkeit und geringe Wirkung seiner bisherigen,  intensiven und kostspieligen Bemühungen, sowie  ökonomischer Wettbewerbsdruck und die Internationalisierung der Energiemärkte werden Europa also letztlich dazu zwingen, sich vom Kyoto Regime zu verabschieden; und das  zumindest solange, als die anderen, weitaus gewichtigeren Emittenten von Treibhausgasen nicht bereit sind, Europas Beispiel zu folgen.

 

Zu  3).. das Europäische Vorbild in Klimafreundlichkeit und Energieeffizient würde andere Staaten dazu veranlassen, diesem Vorbild nachzueifern; insbesondere dann und sobald dargestellt wird, dass dieses Model nicht nur umweltschonender wäre, sondern durch geringere Energiepreise letztlich  auch wirtschaftlicher.

Neue Technologien verbreiten sich heute weltweit schneller als je zuvor. Einmal hat dieser, einmal jener Staat die Nase vorne in der Entdeckung und Nutzung von neuerer  Technologie. China etwa führt nunmehr in der Produktion von Windkraftwerken und von Solar – Panelen. Diese Produkte wurden zwar in Europa zur Serienreife entwickelt. Auf dieser Vorarbeit konnte China seine eigene  und nunmehr führende Position aufbauen. Mit dieser Technologie hat China aber keineswegs  auch die europäische Energiepolitik übernommen hat. Das zu erwarten  wäre überheblich und weltfremd. China geht seinen eigenen Weg  und nimmt ungefähr jede Woche  ein neues Kohlekraftwerk in Betrieb. Das hat üble Folgen nicht nur durch den Beitrag zur globalen Erderwärmung. Das hat schlechte Folgen zunächst auch in China selbst, wo an vielen Tagen der Feinstaub die Sicht vernebelt und wo jedes Jahr mehr als eine Million Menschen an den Folgen der Luftverunreinigung sterben. Das zeigt, dass selbst in dem bei der Produktion von Solarpanelen und Windkraftanlagen führenden China  Solar- und Windstrom –  alles in allem und mit sämtlichen seiner Folgekosten – nicht so billig wird, dass er den Bau von Kohlekraftwerken überflüssig macht.

China wird dem europäischen Beispiel der „Energiewende“ nicht folgen. Jedem der die USA kennt, wird auch die Vorstellung ein Lächeln abnötigen, die USA könnte ernsthaft daran interessiert sein, einem „Vorbild Europa“ nachzueifern. Das Wort “europäisch“  ist in der US Politik zum Schimpfwort verkommen.

Man muss daher davon ausgehen, dass Europa in seiner Energiepolitik kaum Nachahmer finden wird und in diesem Bereich ( sowie in vielen anderen ) in der Gemeinschaft der Staaten isoliert bleibt. Es wird ihm nicht gelingen,  ein Regelwerk zu Klima- und Energiepolitik völkerrechtlich und weltweit verbindlich zu machen. Es kann auch nicht davon ausgehen,  dass andere Staaten und Weltregionen seinem bloßen Beispiel folgen werden. Selbst wenn Europa als Europäische Union geschlossen und entschlossen handeln würde – und  davon ist man notorischer Weise weit entfernt –  selbst dann müsste man in Rechnung stellen, dass der weltweite Einfluss Europas  in dem Maße schrumpft,  in dem sich sein relatives Gewicht in der Weltwirtschaft laufend verringert.

Und damit kommen wir zu einer weiteren der europäischen Energie – und Klimapolitik zu Grunde liegende Annahme ( Punkt 4 auf der obigen Liste );  zur Annahme nämlich dass: die durch Nutzung von Sonnenenergie  und durch die Nutzung von Wind  gewonnene Energie schon in kurzer Zeit voll mit der aus fossilen Brennstoffen gewonnenen  Energie konkurrenzfähig sein wird; und das selbst dann,  wenn man dabei alle Umstellungs- und Folgekosten in Rechnung stellt.

Beide Formen der Energieerzeugung werden in Österreich, und vor allem in Deutschland massiv subventioniert. Das geschieht  durch Ökozuschläge auf den Strompreis. Diese werden auf die Stromkonsumenten überwälzt. Die Erzeuger von mit Wind und Sonne generiertem Strom hingegen können  ihrerseits davon profitieren, dass  dieser  Strom zu  langfristig stabilen  und relativ hohen Abnahmepreisen in das allgemeine Netzt „eingespeist“ wird.

Bei der Einführung dieser Regelung ist man davon ausgegangen, dass durch diese  hohe Subventionierung von Photovoltaik und Windkraft  ein Massenmarkt für Solarmodule und Windkraftwerke geschaffen wird. Das würde den Fortschritt in der Produktion von Wind – Turbinen und Solarmodulen  vorantreiben und deren Erzeugung rasch verbilligen. Damit könnte die so erzeugte Elektrizität auf dem freien Markt in Kürze preislich  mit der konventionell erzeugten Elektrizität konkurrieren.

Schon bei Windkraft würde diese Ziel  nur dann erreicht, wenn die Windgeneratoren stets  mit voller Kapazität laufen , und auch nur dann, wenn bei der Belieferung der Endabnehmer keine zusätzlichen Kosten entstünden .

Nicht so weit ist man bei den Solarmodulen –  obgleich auch hier rasche Fortschritte erzielt wurden, und die Kosten der Stromproduktion durch Module stark gesunken sind. Beide Berechnungen – sowohl die für Sonne- wie auch die für Windkraft – betrachten freilich nur die Preise zu denen ein  ständig laufender Windgenerator und ein ständig von der Sonne beschienenes Solarmodul  Strom an das Netz abgeben können.  In unseren Breiten aber scheint die Sonne eben nicht immer verlässlich. Auch der Wind bläst nicht immer und stark ( und selbst nicht bei  den  in der  Nord-  und Ostsee gebauten „Windfarmen“). Aber das  ist nicht der einzige Grund weswegen dem Konsumenten Solar- und Windenergie teuer zu stehen kommt.  Die Kosten erhöhen sich nämlich nicht nur durch die schwankenden Leistungen der von Windkraftwerken und Solarmodulen. Daneben entstehen auch  beträchtliche Kosten  aus der Einfütterung dieser unregelmäßigen, nicht voraus berechenbaren Anlieferungen in ein System der Stromversorgung, dass dem Endverbraucher dennoch Konstanz und Zuverlässigkeit  garantieren muss.

Den Konsumenten kommt dadurch die ihm gelieferte Elektrizität teuer zu stehen. Das wird am Beispiel des in der „Energiewende“ führenden Deutschland  offenkundig

 

 

Die Haushalten verrechneten Elektrizitätspreise

(pro KWh; inklusive Steuern )

                    Quelle: Eurostat

Der an den Windgeneratoren und Solarmodulen erzeugte Strom verteuert sich  für den Endverbraucher nicht bloß durch die von ihm zu zahlende Ökoprämie, sondern eben auch durch alle jene Maßnahmen, die notwendig sind,  um Versorgungssicherheit trotz der unberechenbar schwankenden Zulieferung von Wind und Solarenergie zu gewährleisten .

Windstrom muss dazu zumeist über große Distanzen transportiert werden.  In Österreich wird Wind – Elektrizität hauptsächlich im Osten des Landes generiert; und muss von dort nach dem Westen geleitet werden; in Deutschland  von den hauptsächlich im Norden des Landes platzierten Windkraftanlagen nach dem Süden[7]. Die geografische Distanz zwischen Verbraucher und Prozent wird also  länger. Die Europäische Kommission hat berechnet, dass zur Überwindung dieser Schwierigkeit bis zu Jahrhundert – Mitte zusätzliche 50.000 km an  sehr kostspieligen Starkstromleitungen gebaut werden müssen.

Aber das ist nicht einmal das hauptsächliche Problem.  Das größere entsteht dadurch, dass infolge der unregelmäßigen  Stromerzeugung durch Wind und Sonne traditionelle Kraftwerke oder Elektrizitätsspeicher bereitstehen müssen, um bei Bedarf einzuspringen und zu liefern was  Windkraftwerke wegen Windmangels, und Solarmodule wegen düsterem Himmel  nicht liefern können.  An einem sonnigen, windigen Sommer – Wochenende kann der gesamte deutsche Strombedarf  aus diesen beiden alternativen Formen der Stromerzeugung gedeckt werden. Aber die Sonne scheint nicht immer und der Wind bläst nicht immer.  Also müsste der durch diese „alternativen Energien“ erzeugte Strom entweder irgendwie so lange gespeichert werden, bis er benötigt wird; oder es müsste dann, wenn Sonne und Windkraft ausfallen, die Elektrizität eben auf konventionelle Weise durch sozusagen in Bereitschaft stehende Gas und Kohlekraftwerke geliefert werden.

Wirtschaftlich[8] speichern lässt sich Elektrizität zur Zeit nur in Pumpspeicherwerken. Andere Formen der Speicherung – und vor allem solche näher bei den Endverbrauchern – sind entweder technisch nicht entwickelt oder nicht wirtschaftlich[9]. Es gibt aber nicht genügend Pumpspeicherwerke, und es fehlen zum Teil auch die zu ihnen führenden, kapazitätsstarken Starkstromleitungen. So müssen bei einem Ausfall von Sonne-  und Windstrom konventionelle Kraftwerke zugeschaltet werden. Sie wären also nicht in dauerndem Betrieb sondern nur fallweise. Wenn ein teures Kraftwerk mit seinen hohen Fixkosten aber nur zeitweilig ans Netz geht, dann wird sein Betrieb überhaupt unwirtschaftlich. Das betrifft insbesondere die Gaskraftwerke, die den Vorzug hätten, sich rasch hochfahren zulassen.

Hier müssen wir weiter ausholen und  einen  Blick auf den gesamteuropäischen Elektrizitäts – und Energiemarkt und dessen Regelung werfen . Laut Artikel 194 des Lissabonner Vertrages steht es jedem EU – Mitgliedsland frei, selbst unter den verschieden möglichen Arten der Energieerzeugung zu wählen,   und zu seiner Energieversorgung  entsprechende Abkommen mit Drittländern – etwa Russland – zu verhandeln. Das hat es etwa Deutschland erlaubt, die „Energiewende“ forsch voranzutreiben und nach dem Unfall im japanischen Fukushima die  Schließung der Atomkraftwerke zu beschließen[10] .

Gleichzeitig ist aber der europäische Elektrizitätsmarkt den Regeln des EU  Binnenmarktes  unterworfen und demnach  weitgehend  liberalisiert. Für die Betreiber der Übertragungsnetze besteht Durchleitungspflicht und der verfügbare Strom wird auf „Strombörsen“ international  gehandelt; wobei nach dem „Merit – Order Prinzip“  stets jener Stromerzeuger zum Zug kommt, der mit den geringsten variablen Kosten produziert. Das sind – wenn die Bedingungen so sind, dass sie liefern können – die Betreiber von Windkraftwerken. Deren variablen Kosten sind deshalb null,  weil Wind eben nichts kostet.  Herrscht aber Windstille und fällt die Zulieferung der Windkraftwerke aus, dann springen zunächst die mit Braunkohle (!!!) betriebenen Kraftwerke in die Bresche; und später die mit Steinkohle betriebenen.  Dies geschieht deshalb, weil  die variablen „Grenzkosten“ dieser Kohle – Kraftwerke geringer sind als jene der Gaskraftwerke. Im Unterschied zu den USA ist Erdgas in Europa nämlich noch relativ teuer. Das ist bedingt einerseits durch die langfristigen Lieferverträge mit Russland  und andererseits durch Engpässe beim Import von Erdgas aus anderen Teilen der Welt[11].

So kommt es also  – zumindest in Deutschland  – zur absurden Situation,  dass emissionsarme Gaskraftwerke durch die Umwelt stark schädigende Braunkohle-  oder Steinkohle  Kraftwerke ersetzt werden, wobei für letztere , Kohle  u.a.  aus den USA importiert wird. In  den USA  wird Steinkohle sie  wegen der preisgünstiger produzierenden   Gaskraftwerke nicht länger benötigt.   Die deutschen Karbondioxyd Emissionen steigen damit ( zugleich mit den Importen von  höchst umweltschädlichen Energieträgern

Das deutsche Beispiel verweist auf ein grundsätzliches Problem. Es entsteht aus dem Zusammentreffen  eines liberalisierten europäischen Strommarktes mit einem stark regulierten nationalen System der Strom- und Energiepolitik. Hier sind wohl über kurz oder lang größere Reformen notwendig:.

Einerseits kann man gerade bei einem so lebensnotwendigen Produkt wie Elektrizität und Energie  die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen, für die Bereitstellung solcher Lebensnotwendigkeiten  zu sorgen  und in die Strom- und Energiemärkte einzugreifen. Anderseits verweist ja auch gerade dieses deutsche Beispiel auf die Gefahren, die hochkommen, wenn in der Energiepolitik die Marktkräfte weitgehend ignoriert werden.

Wenn man also alle Folgekosten einrechnet, dann  hat die hoch subventionierte deutsche „Energiewende“  Solar-  und Windenergie keineswegs wettbewerbsfähig gemacht.  In Deutschland hat sie zuletzt nicht zu einer zusätzlichen Verringerung des Ausstoßes an Treibhausgasen geführt . Das Gegenteil ist eingetreten. Die deutschen Emissionen  von Kohledioxyd haben  sich 2012 im Vergleich zum vorhergegangenen Jahr um 1,6 Prozent erhöht,  wobei die Emissionen der Steinkohle Kraftwerke um 3,4 Prozent zugenommen hat; und jener der Braunkohle – Kraftwerke um 5,1 Prozent.

Auch die Importabhängigkeit wurde nicht geringer. Das führt zu Punkt 5) in der obigen Liste, und  dem letzten in der Reihe, in welcher die  Motive für die „Energiewende“ aufgezählt sind . Die Abhängigkeit Europas von Energieimporten soll verringert werden.  82 Prozent des in Europa verbrauchten Erdöls werden importiert; und 57 Prozent des verbrauchten Erdgas. Trotz Energiewende  und trotz der die Nachfrage dämpfenden Wirtschaftskrise wurde Europa stärker von Energieimporten abhängig.  Die Internationale Energieagentur ist der Meinung, dass  diese Importabhängigkeit Europas weiter zunehmen wird.

Abhängigkeit Europas von Energieimporten

                                               2000              50%

2012              60%

2020              70%

Quelle IEA

 

Hingegen wird die Importabhängigkeit der USA schwinden. Ja sie wandeln sich  vom Energie –  Importeur zum Exporteur von Energie. Die Energie – Import – Abhängigkeit Japans  wird sich, anders als die europäische,  nicht ausweiten. China und Indien werden auf den Welt- Energiemärkten verstärkt als Nachfrager auftreten und den Europäern dabei stark Konkurrenz machen. Neben wirtschaftlichen hat das auch geopolitische Folgen. In den USA wird dadurch die ohnehin schon fühlbare Neigung verstärkt, sich aus politischem Engagement in fernen Weltgegenden zurück zu ziehen. Das betrifft nun aber gerade auch jene Regionen, aus denen  Europa Erdöl und Erdgas bezieht,  die politisch unstabil sind und die daher als Lieferanten ausfallen könnten. Zugleich wird Europa wohl nicht gewillt sein, sich in diesen Regionen als Ordnungsmacht an Stelle der USA zu setzen.

Solche Überlegungen  beleuchten ein Ziel, welches in der europäischen Energiepolitik vorrangig sein sollte; welches aber von anderen Zielen anscheinend überlagert wird. Es ist das Ziel der Versorgungssicherheit. Offenbar wurde es  umweltpolitischen Zielen nachgereiht[12], und das obwohl ja gerade die Energiewende auf diesem Gebiet Probleme schafft. Durch die starken Schwankungen in der Anlieferung von Solar- und Windstrom wird es schwierig, Spannung und Frequenz konstant zu halten. Grosse Strommengen müssen über weite Strecken  transportiert werden. Manchmal muss man  Strom importieren, und ihn ein anderes Mal  ans Ausland verschenken, um zu verhindern, dass ein Überangebot an Strom das heimische Netz zusammenbrechen lässt.

Zusammenbrüche in der Elektrizitätsversorgung sind eine sehr ernste Sache. In Österreich würde ein zehnstündiger Ausfall Schaden in der Höhe von 536 Millionen Euro verursachen.  In den Hochhäusern würden die Aufzüge still stehen. Im Straßenverkehr würden die Ampeln ausfallen. Lebensmittel würden in den Kühlschränken verderben und an den Tankstellen würden die Benzinpumpen still stehen.  Nach 4 Stunden würde das Mobil – Fernsprechnetz versagen; nach zehn Stunden das Festnetz. Die Computer würden  nicht länger funktionieren.  Die Arbeit der Banken wäre  unterbunden; und natürlich gäbe es viele zusätzliche Todesfälle.

Die Europäische Union hat sich verbindlich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2020 ihre Emission an Treibhausgasen insgesamt um 20 % reduziert zu haben; den Anteil der erneuerbaren Energie  am Gesamt  – Energieverbrauch auf durchschnittlich 20 % angehoben zu haben[13]; und den Energieverbrauch insgesamt um 20 % zurück gefahren zu haben.

Über das darauffolgende Ziel – dem Ziel für das Jahr 2030 – wird in der EU noch heftig diskutiert. Im Gespräch steht eine weitere Anhebung des Anteils der erneuerbaren Energie auf  30 % vom Gesamtverbrauch. Das würde bedeuten, dass sich das Tempo der Umstellung auf erneuerbare Energie in den zehn Jahren zwischen 2020 und 20230 gegenüber dem vorhergegangenen Zeitraum verdoppelt. In seinem Beitrag zu dem besprochenen Sammelband hält Alexander Egit – der Geschäftsführer von Greenpeace Österreich – aber auch dieses 30 % Ziel  des Jahres 2030 für zu wenig ehrgeizig. Er wünscht sich, dass bis dahin alternative Energien sogar 35 % des gesamten  EU –  Energieverbrauchs decken.

Solche ehrgeizigen Ziele muss man mit dem schon Erreichten vergleichen; und sie an diesem schon erkennbaren Ergebnis der EU Energie – und Klimapolitik messen.  Es bietet sich an, das an Hand der deutschen Gegebenheiten zu tun, da Deutschland für sich und für Europa ja in Anspruch nimmt, eine Führungsrolle in der europäischen „Energiewende“ zu spielen. Wie ist es nun um diese Realität bestellt?   Die Nennleistung der in Deutschland  installierten Solar- und Windkraftwerke würde ausreichen, um   84 %  des deutschen Elektrizitätsbedarfes zu decken. Tatsächlich aber – und aus den Gründen die wir oben beschrieben haben – deckten diese beiden Elektrizitätserzeuger nur 11,9 %des deutschen Elektrizitätskonsums[14]. Unsummen wurden also in brachliegende und niemals auch nur annähernd nutzbare Nennleistung  investiert.

Noch weiter gesteckt als die Europäischen Ziele für das Jahr 2030 sind  jene, ebenfalls noch unverbindlichen, für das Jahr 2050.  Die erneuerbare Energie sollte bis dahin 75% des EU  Energiebedarfs abdecken; und die Treibhausgase sollte um 80% bis 90%[15] reduziert worden sein.

Man könnte solchen hochgesteckten Ziele  dadurch etwas näher kommen, dass man Atomkraft wieder stärker nutzt. Aber in zahlreichen  EU Ländern wird  massiver politischer Widerstand  das verhindern.

So bleibt es also bei diesem Auseinanderklaffen. Auf der einen Seite steht  eine der öffentlichen Stimmung folgende politische Deklamatorik und eine ihr folgende, völlig aus dem Ruder laufenden „Energiewende“. Auf der anderen Seite steht  die Realität eines  weiterhin hohen, und im Wesentlichen nicht reduzierbaren  europäischen Energiekonsums. Die politische Deklamatorik wird dominiert von umweltpolitischen Zielsetzungen. Demgegenüber verblassen  die  anderen notwendigen Ziele einer Energiepolitik; so vornehmlich das Ziel der Versorgungssicherheit und  der Wirtschaftlichkeit.

Darin spiegelt sich ein grundsätzliches Problem  moderner europäischer Gesellschaften. Man ist wohlstandsmüde, fortschritts- und technologieskeptisch geworden, und das in dem Maße, dass man sich in  „Heilslehren und   Endzeiterwartungen“ flüchtet ( Beitrag  des AK Experten  Ditmar Wenty ). Dennoch stehen natürlich auch modernen Gesellschaften auf einer wirtschaftlichen Basis, die von  technischer Entwicklung  steigender Produktivität und – ja  selbstverständlich – auch von hohem Energiekonsum bestimmt ist.

Die Politik ist offensichtlich nicht im Stande, diesen Widerspruch sichtbar zu machen. Noch weniger ist sie im Stande, ihn aufzulösen.


[1]  In den nächsten Jahren wäre laut ÖGB Präsident Erich Foglar Österreich in der Lage, seinen  Energieaufwand so zu beschränken, dass die Wachstumsraten des Energiekonsums halb so hoch sein werden wie die Wachstumsraten des Nationalproduktes ( siehe Beitrag des ÖGB Präsident  im besprochenen Buch)

 

[2] In Österreich sollen bis 2019 flächendeckend 5 Millionen dieser Neuen  elektronischen Stromzähler installiert sein

 

[3] Das in tiefen Gesteinsschichten eingeschlossene Erdgas  wird durch Sprengung / Lockerung des umgebenden Gesteins  freigesetzt und nach oben geleitet

 

[4] Jeder in Diplomatie einigermaßen Versierte ist sich bewusst, dass man  – zumal als einer der Hauptakteure – nicht an einer internationalen Konferenz teilnimmt,, deren Ausgang so völlig offen ist; oder bei der der bestehenden Verhandlungsrahmen zumindest ein positives Ergebnis erwarten lässt..

 

[5] In seinem Beitrag zum besprochen Buch argumentiert Heinz Kienzl, dass die beobachtete Klimaerwärmung Folge von natürlichen Schwankungen sei und nicht durch menschliche Aktivität verursacht ist. Ich möchte emphatisch betonen, dass ich diese Meinung NICHT teile. Das Intergovernmental Panel on Climate Change hat ja erst in seinem im September 2013 vorgelegten jüngsten  Bericht argumentiert, dass menschliche  Tätigkeit mit 95%iger Wahrscheinlichkeit die Ursache der Erderwärmung ist. Auch bin ich überzeugt, dass die Folgen dieser Erwärmung dramatisch sein werden. Ich meine aber, dass sich dieser  Schaden nicht länger durch Versuche abwenden lässt, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu mindern ( Politik der „mitigation“) . Dazu ist es zu spät. Man muss statt dessen versuchen, mit den Folgen fertig zu werden (Politik der „adaptation“)

 

[6] Die Versuche, das zu ändern sind – wie erwähnt – bei der 2009 Kopenhagen Klimakonferenz gescheitert und  blieben auch seither ergebnislos

 

[7] Die Transportwege kreuzen sich in Westösterreich, wo es auch noch die größten ungenutzten Reserven für den Bau von Pumpspeicherwerken gibt

 

[8] Selbst Pumpspeicherwerke werden dann unwirtschaftlich, wenn sie nur sehr unregelmäßig benutzt werden

 

[9] Das betrifft zB auch den Vorschlag die Batterien von Elektroautos als Zwischenspeicher zu nutzen. Diese Form der E – Speicherung ist 18 mal kostspieliger wie die Speicherung durch Pumpkraftwerke.

 

[10] Gleitend; die letzten deutschen A – Kraftwerke sollen im Jahre 2022 herunter gefahren werden

 

[11] Und natürlich auch durch die bisherige und weitgehende europäische Abstinenz in der Anwendung von „fracking“ zur Erschließung von Schiefergas

 

[12] Umweltpolitischen Zielen wurden offenbar auch andere Ziele der europäischen Energiepolitik nach gereiht. So den industriepolitischen Zielen. Im  Jahre  2000 hatte die industrielle Fertigung noch einen 22 prozentigen Anteil am europäischen BNP.  Im Jahre 2012 betrug er  nur mehr bescheidene 16 Prozent. Die Europäische Kommission will ihn nun bis 2020 wieder erhöhen; und zwar auf 20 Prozent. Wie lässt sich das mit den ebenfalls von der Europäischen Union geschmiedeten Plänen vereinbaren, denen zu Folge  der Energieeinsatz im Jahre 2050 nur mehr 20 Prozent  vom  heutigen Einsatz betragen soll?

 

[13] In Österreich ist der Anteil der „“Erneuerbaren“ in Folge der Nutzung von Wasserkraft ohnehin schon hoch und liegt bei 25 Prozent. Bis 2020 sollte er auf 32 Prozent angehoben sein

 

[14] Will Boisvert; Energy Bust in Germany, in Dissent , summer 2013, p 62ff

 

[15] Diese Starke Reduktion in der Emission von Treibhausgasen  wäre durch die Bereitstellung von „Alternativenergie“ und durch Energiesparen allein nicht erreichbar. Diese Einsparungen wären nur mit Hilfe von „Carbon Storage and Capture erreichbar; dadurch also, dass  die Kohledioxyd Emissionen von Kraftwerken  untertags gespeichert werden. Die Eu fördert dazu einige Pilot – Projekte. Ein solches Pilotprojekt wurde auch in den USA schon weit vorangetrieben; und letztlich doch eingestellt, weil die technischen Schwierigkeiten einfach unüberwindbar schienen. Es ist zu bezeifeln, dass Europa dort den Durchbruch schaftt , wo schon vorher die USA nach hohen Investitionen gescheitert ist.

 


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